Idee

Grußwort von Dr. Jo Kley zur 1. Skulpturen-Triennale 2012

Liebe Besucherinnen und Besucher,

in der Europastadt Neustadt in Holstein an der Lübecker Bucht wird seit vielen Jahren die Kunst im öffentlichen Raum gefördert.

Seit dem Jahr 2005 werden entlang des Neustädter Kunst-Kilometers Kunstwerke zeitgenössischer Künstler gezeigt, die durch öffentliche Mittel und privates Sponsoring finanziert wurden. Entlang des Neustädter Kunst-Kilometers entsteht ein permanenter Dialog zwischen Mensch, Skulptur und Landschaft. Auch das alle drei Jahre stattfindende europäische folklore festival prägt das kulturelle Leben an der Küste und ist über die Grenzen Deutschlands ein Begriff. Beides wird nun erstmals im Rahmen eines Bildhauersymposiums – der 1. Europäischen Skulpturen Triennale – verknüpft.

Vom 16. bis zum 30. Mai werden die Freifläche um den ehemaligen Horchturm in Pelzerhaken in ein Freiluftatelier mit Blick auf die Ostsee verwandelt. Fünf international anerkannte Künstler werden zwei Wochen lang unter den Augen der Öffentlichkeit aus großen Granitfindlingen fünf Kunstwerke schaffen. Die Kunstwerke bleiben danach im Eigentum der Stadt oder auf Wunsch im Eigentum der Sponsoren und im öffentlichen Raum stehen.

Die Idee – heute

Internationale Bildhauer Symposien sind längst auf allen fünf Kontinenten angekommen und sind fester Bestandteil eines praktizierten globalen Kulturaustausches, wobei politische Grenzen meistens keine Rolle spielen.

Nach wie vor werden immer noch Bildhauer Symposien veranstaltet, meist von Künstlern angestoßen, die die ursprüngliche Idee weiter tragen wollen – nämlich für eine bestimmte Zeit einige Künstler an einem Ort zu versammeln, die dann mit der Inspiration des Ortes für diesen Ort Skulpturen schaffen.

In diesem Sinn trifft die Gastfreundschaft der Stadt Neustadt in Holstein auf die Motivation der Gastkünstler, so dass am Ende alle Beteiligten mit Freude und Gewinn beglückt werden. Die Bildhauer verwenden ihren ganzen Ehrgeiz und ihr Geschick darauf, eine großartige Skulptur für Neustadt zu hinterlassen. Die Skulptur bleibt als steinernes Zeugnis, während die Bildhauer zu potentiellen zukünftigen Botschaftern für Neustadt werden.

Kulturaustausch

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die ursprüngliche Idee von Karl Prantl noch immer äußerst lebendig ist. Seit 1998 habe ich an über 35 Internationalen Bildhauer Symposien teilgenommen. In diesem Sommer werde ich mit Kanada das 20. Land für ein Bildhauer Symposium besuchen. Für mich sind auf allen Symposien neue Freundschaften entstanden, die natürlich auch gepflegt werden wollen. An all diesen Orten habe ich ein Stück von mir hinterlassen, war ich ein guter Gast und habe wirkliche Gastfreundschaft genossen. Tatsächlich habe ich manche Orte wieder besucht; es fühlte sich immer ein bisschen an, wie nach Hause zu kommen – zu Hause bei guten Freunden!

Darüber hinaus lässt sich nicht nur für die beteiligten Künstler, sondern auch und gerade für die Besucher auf wunderbare Weise veranschaulichen, dass Kunst eine universelle Sprache ist. Es mag das Gespräch zwischen Künstlern aus fünf verschiedenen Ländern wie babylonisches Kauderwelsch anmuten, jedoch wird auf den Symposien immer eine gemeinsame Sprache gesprochen – die Kunst.

Mit dem europäischen folklore festival hat die Stadt Neustadt in Holstein schon über 50 Jahre lang exzellente Erfahrung gesammelt in Sachen Völkerverständigung. Der Europäische Rat dankte das der Stadt schon 1969 mit der Auszeichnung Europastadt und der Überreichung der Europäischen Flagge für das Engagement der Einwohner. Die Europäische Skulpturen Triennale fügt sich in das Kulturprogramm der Europastadt ein.

Zur 1. Europäischen Skulpturen Triennale werden fünf Bildhauer aus großformatigen Findlingen (steinerne skandinavische Souvenirs – Hinterlassenschaften der Eiszeitgletscher) Skulpturen schaffen. Mindestens eine der Skulpturen soll sich thematisch mit dem europäischen folklore festival assoziieren lassen. Ganz generell sollen die Findlinge im Sinne Prantl´s das Mittel zum Freidenken werden.

Jedes Mal, wenn ich in den letzten Monaten nach Neustadt rein fahre, am schönen Hafen vorbei, freue ich mich darüber, dass es hier großzügige und gastfreundliche Menschen gibt, die es ermöglichen an diesen schönen Ort international renommierte Künstler einzuladen.

Ihr
Jo Kley (Mai 2012)